HSG Siebengebirge

Im Heimspiel am Sonnenhügel stand die Spitzenpartie der Regionalliga Nordrhein zwischen der zweitplatzierten HSG Siebengebirge und dem Tabellenführer Wölfen Niederrhein auf dem Spielplan. Nach dem Auswärtssieg der HSG am vergangenen Spieltag gegen einen weiteren Meisterschaftsanwärter konnten die Grün-Blauen mit breiter Brust in die Partie gehen. Doch es sollte zunächst alles ganz anders kommen.

Zwar zeigte sich das Team von Coach Nils Grunwald in den ersten Minuten noch agil und treffsicher, so dass bis zur 3. Minute eine 1:0 und 2:1 Führung für Siebengebirge auf der Anzeigetafel erleuchtete. Doch dann bissen die Wölfe zu und drückten dem Spiel ihren Stempel auf. Mit ihrer Körpersprache und dem willensstarken Drang zum Tor machten sie deutlich, dass sie beide Punkte mitnehmen wollten. Die sonst sichere 5:1 Abwehr der Gastgeber bekam keinen Zugriff auf den Halblinken und den Mittelmann der Gäste, die entweder selbst abschlossen oder mit gutem Auge den „letzten“ Pass zum freien Nebenmann fanden. Und auch der sonst gewohnt sichere Rückhalt im Tor war in dieser Phase nur selten in der Lage die freien Würfe zu entschärfen. „Meine Abwehr agierte in der ersten Halbzeit völlig emotionslos und viel zu passiv“, haderte Trainer Grunwald mit seinem Team. „Da fehlten die Absprachen im Abwehrverbund und der Gegner hat das eiskalt ausgenutzt.“ Aber auch im Angriff sollte in den ersten dreißig Minuten gar nichts zusammenlaufen. Hier fehlte es ebenso an Spannung, vor allem aber auch an Kreativität gegen die entschlossen zupackende Gästeabwehr, die den Siebengebirglern jeglichen Schneid abkaufte. So wurden im Angriff der HSG allein 20 Bälle durch technische Fehler, überhastete Abschlüsse und Fehlwürfe weggeschenkt. Die logische Konsequenz war ein 7-Tore Rückstand zur Halbzeit (10:17). Die Pausengespräche auf der Zuschauertribüne drehten sich eigentlich nur darum, wie man ein Debakel verhindern könnte.

Doch nach der Pause kam ein „völlig anderes Team“ aus der Kabine, was sich ganz anders präsentierte. Die Pausenansprache hatte wohl gewirkt. Die Zuschauer sahen jetzt in entschlossene Gesichter, die nun von Beginn an konzentriert und engagiert zu Werke gingen. Und Coach Grunwald wartete darüber hinaus mit einer taktischen Umstellung auf. Er ließ sein Team mit dem Wiederanwurf in einer offenen Manndeckung verteidigen, da die Gäste mit dem Halbzeitpfiff noch eine Zweiminutenstrafe kassiert hatten. Tatsächlich gelangen der HSG so aus dem Überraschungseffekt heraus Balleroberungen, die zu zwei schnellen Treffern führten. Und hinten konnten sofort die ersten zwei Torwürfe der Wölfe entschärft werden. Plötzlich funktionierten die Absprachen, man half sich gegenseitig aus und auch Torhüter Moritz Wiese, grippegeschwächt ins Spiel gegangen, war plötzlich hellwach und gab der Abwehr den sicheren Rückhalt. Die Grün Blauen starteten eine furiose Aufholjagd, in der vor allem David Runge Verantwortung übernahm und drei wichtige Treffer in Folge erzielte. Auch vereinzelte Gegentreffer konnten das Team nun nicht mehr verunsichern. Zur Mitte der 2. Halbzeit glich Anto Marcinkovic dann zum 22:22 aus und zwei Minuten später folgte die erste Führung durch Christopher Traut. Ab hier entwickelte sich das Spiel zum packenden Schlagabtausch der beiden Mannschaften mit wechselnden Führungen. Eineinhalb Minuten vor Schluss nimmt der Gästetrainer noch eine Auszeit, um sein Team letztmalig einzustellen. Nur zehn Sekunden später glichen die Gäste tatsächlich zum 27:27 aus. Doch den Schlusspunkt der Partie konnte Max Gebel wenige Sekunden vor Spielende mit seinem Treffer zum 28:27 setzen. Mit Leidenschaft und Kampfgeist konnte so eine schon verloren geglaubte Partie noch einmal gedreht werden.

„Unglaublich, was meine Mannschaften nach den Unzulänglichkeiten der ersten Halbzeit hier noch geleistet hat. Die Jungs haben Charakter gezeigt und gefightet und sind dafür belohnt worden“, freute sich der Trainer nach Spielende. Nun ist erst einmal ein spielfreies Wochenende, bevor es dann zum Auswärtsspiel nach Aldekerk geht.

HSG olé

Es spielten: Moritz Wiese, Nick Burgunder (beide Tor), Marvin Steinmetz (2), Anto Marcinkovic (6), Marc Bankstahl (1), Max Gebel (4/2), Luis Jochim (1), Ben Picard (4), Christopher Traut (3), David Runge (7), Moritz Knieps, Tobias Thomer